Musiker:innen und ihre Instrumente - ein spannendes Beziehungsgeflecht!
Tricks und Erfahrungen mit dem eigenen Instrument prägen den Alltag des OrchestermusikersDas Schicksal wollte wohl auf Nummer sicher gehen und hat Alexander Hohenthal gleich doppelt zur Geige geführt: Eine engagierte Musikschuldirektorin entdeckte früh das Talent des Fünfjährigen und empfahl die Violine; noch im selben Jahr spielte der junge Musiker zum ersten Mal vor Publikum. Außerdem haben seine Großväter – neben ihren Brotberufen – „beide intensiv gegeigt“. Die familiären Wurzeln des heutigen Konzertmeisters reichen bis in die Bukowina – in dieser multikulturellen Region ist Musik eines der Grundnahrungsmittel.
„Ich bin ein Spätentwickler“, berichtet Alexander Hohenthal lachend, „früher war es mir unmöglich zu plaudern, mein Ausdrucksmittel war die Musik.“ Heutzutage ist der Geiger ein charmanter Gesprächspartner und pointierter Erzähler: „Gute Instrumente haben Persönlichkeit“, ist der gebürtige Steirer überzeugt. Die Violine sei schnell beleidigt, wenn sie zu lange links liegen gelassen werde. Alexander Hohenthal hat drei Geigen, die er je nach Tagesverfassung und gewünschter Klangtextur spielt. „Die Instrumente wollen beachtet werden und reagieren auf Wetterumschwünge ähnlich sensibel wie viele Menschen.“
Ein Osteopath für Geigen
Über die Jahre hat der gefragte Kammermusiker gelernt, nötige Pflegeschritte oder Adaptionen am Instrument selbst durchzuführen. Dies so erfolgreich, dass er im Orchester längst zur gefragten Anlaufstelle bei Problemen mit Streichinstrumenten geworden ist. Nach dem Aufziehen neuer Saiten kann es vorkommen, dass der Steg nach vorne kippt. Manche Kolleg:innen wagen es dann nicht, ihr Instrument selbst zu behandeln, aus Sorge, etwas kaputt zu machen.
Alexander Hohenthal jedoch hat sich die nötigen Handgriffe bei Geigenbauern abgeschaut und kennt die Tricks, die zum erlösenden sanften „Klicken“ im Instrument führen und den Steg wieder in die gewünschte Position zurückbringen. Auch für die Behandlung der Wirbel an den Streichinstrumenten kennt er die hilfreichsten Methoden. Der erfahrene Musiker ist ganz nebenbei zu einer Art Osteopath für Geigen geworden.
Berufsmusiker zu sein sei anstrengend, gibt der Konzertmeister zu. Die ungewöhnlichen Arbeitszeiten, die körperlichen Herausforderungen und die geforderte hohe Qualität des Spiels kosten viel Kraft – doch wenn sich dieser „wunderbare Funke beim Musizieren einstellt, hält man das schon aus“. Manchmal bringe das Liegenlassen des Instruments mehr als stetiges Üben: So können sich die Dinge sortieren, die Ohren wieder „leer“ werden und es stellt sich eine neue Klarheit ein, die Lösungen liefert.
Das ist nicht in Worte zu fassen, nur erlebbar. Das Talent unseres Chefdirigenten Roberto ist es, in den Proben eine klare Perspektive zu vermitteln und uns dann auf der Bühne voller Vertrauen frei spielen zu lassen.Alexander Hohenthal
Die Erfahrung aus Jahrzehnten beschenkt den Musiker regelmäßig mit jener Magie, die sich während mancher Konzerte im Saal ausbreitet: „Das ist nicht in Worte zu fassen, nur erlebbar. Das Talent unseres Chefdirigenten Roberto ist es, in den Proben eine klare Perspektive zu vermitteln und uns dann auf der Bühne voller Vertrauen frei spielen zu lassen.“
Am Ende eines Konzerts kann man den Geiger dabei beobachten, wie er über die Saiten haucht. Diesen Tipp hat der dienstjüngste Konzertmeister des Mozarteumorchesters einst von einem Geigenbauer bekommen, so lassen sich die beim Spielen entstandenen Salze auf den Saiten leichter abwischen. Mancher Kollege belächelt Alexander Hohenthal – er bleibt jedoch bei seiner Pflegemaßnahme. Und der Erfolg gibt ihm recht.