Mit welchem Ritual bündelst Du Deine Konzentration vor einem Auftritt?

Tatsächlich habe ich kein spezielles Ritual vor Konzerten. Es fühlt sich sowieso jeder Tag, jeder Saal und jedes Programm anders an. Allerdings ist es sehr wichtig für mich, ohne Hektik und rechtzeitig beim Aufführungsort zu sein, kurz noch mal auf die Bühne zu gehen, dort einige Töne zu spielen und den Raum zu „spüren“. Und dann schaffe ich es zum Glück meistens mich auf das Konzert zu freuen.

Als Musiker braucht man viel Inspiration und kulturelles „Futter“.
Ingrid Hasse

Wie würde dein Leben als Musikerin in deiner Heimat aussehen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich in Südafrika Berufsmusikerin geworden/geblieben wäre. Die Situation ist schwierig, nicht nur finanziell. Es gibt seit vielen Jahren nur mehr drei Berufsorchester. Es ist kein einfaches Leben für Musiker, und man braucht sehr viel Idealismus.

 

Auch bin ich der Meinung, dass man als Musiker viel Inspiration und kulturelles „Futter“ braucht. Davon gibt es, was westliche Kultur betrifft, nicht wahnsinnig viel in Südafrika. Allerdings ist die klassische Musikszene in den letzten 20 Jahren kulturell vielfältiger geworden durch Beeinflussung, Vermengung und Befruchtung afrikanischer Musik, - durchaus eine passende und spannende Entwicklung.

Die Welt ist bunt, das ist wunderbar so, und von jedem Menschen kann man etwas lernen.
Ingrid Hasse

Was kann ich von Kolleg:innen aus anderen Kulturen lernen?

Die Welt ist bunt, das ist wunderbar so, und von jedem Menschen kann man etwas lernen.

Du bist seit 1993 Soloflötistin im Mozarteumorchester. Wie hat sich das Thema kulturelle Vielfalt in dieser Zeit im Orchester entwickelt?

Als ich 1993 ins Orchester kam, gab es den „Running Gag“ dass die Oberösterreicher die „größte ethnische Gruppe“ sind. Danach kamen schon die Salzburger. Heute kommen wir aus allen Ecken und Enden der Welt. Ich finde es schön, dass im Mozarteumorchester so viele verschiedene Nationalitäten vertreten sind. Die gemeinsame Leidenschaft und die Liebe zu Musik verbindet uns. Das ist einfach wunderbar und überwindet jede Grenze.