
Den Blick auch hinter den Notentext zu richten, ist Grundvoraussetzung für die Einstudierung eines jeden Instrumentalwerkes: Das lernte der Lienzer Bratschist Herbert Lindsberger bei Jürgen Geise bereits zu Beginn des Studiums am Salzburger Mozarteum.
Dort schloss er auch seine Ausbildung (Schul- und Instrumentalmusik und Konzertfach) mit Konzertdiplom für Viola und Magister artium ab.
Einem Meisterkurs bei Thomas Riebl im Rahmen der Sommerakademie folgten zwei postgraduale Ergänzungsjahre.
Neben dem großteils klassisch-romantischen Repertoire (als Mitglied im Mozarteumorchester Salzburg sowie von 1998 bis 2009 im Mozarteum Quartett) ist es das Spannungsfeld zwischen Alter und Zeitgenössischer Musik, was Lindsbergers Tätigkeit zum „Traumberuf“ werden lässt.
Dabei mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik oder als Gast im Stadler Quartett an einer Uraufführung zu arbeiten, bereitet ihm gleichermaßen Vergnügen wie Auftritte mit den Originalklang-Ensembles Clemencic Consort, Wiener Akademie und Concentus Musicus, oder die kammermusikalische Zusammenarbeit mit Hiro Kurosaki und Linda Nicholson.
Die Einladung der Salzburger Festspiele, 2009 für die Schauspielproduktion "Judith" unter der Regie von Sebastian Nübling das Viola d’amore-Solo aus der gleichnamigen Vivaldi-Oper zu übernehmen, führte zu intensiven Studien an dem und über das Instrument, welches seither reizvolle und spannende Arbeit bietet.
Die feste Überzeugung, dass Idealismus eine der wesentlichen Säulen für ein funktionierendes Kulturleben sein muss, veranlasste ihn, die seit 1978 bestehenden Kitzbüheler Sommerkonzerte in den Jahren 2002–2007 als deren künstlerischer Leiter zu begleiten.
Die Betreuung der Violagruppen der Landesjugendorchester von Oberösterreich und Tirol basiert auf ähnlichen Überlegungen und ist zudem sinnvollste Investition in die nächste und übernächste Musikergeneration.
Dies gilt auch für seine Unterrichtstätigkeit in Form von Kammermusikkursen in Neuberg, an der Accademia Chigiana in Siena und an der Universität von Goiania (Brasilien).
Jene wesentliche Frage, ob es innerhalb eines Musikstückes zwei vollkommen idente Takte geben kann, führte zur Dissertation an der Universität Mozarteum unter dem Titel "Flüchtigkeit oder beabsichtigte Variation / Die Sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach (BWV 1007–1012) in der Abschrift Anna Magdalena Bachs", deren Zentrum seine 2007 bei Editio Alto erschienene und nach wissenschaftlichen Kriterien herausgegebene Transkription der Suiten für Viola bildet (www.editioalto.com).
Email: h.lindsberger@sbg.at